Leichtsattel Anpassung
Du hast dich für einen Garrido Leichtsattel entschieden und möchtest das Beste herausholen für dich und dein Pferd? Dann bist du hier genau richtig!
Wirbelsäulenkanal
Wenn du deinen Leichtsattel bekommst, musst du als erstes die Klettkissen anbringen. Vergleiche dazu den Rücken deines Pferdes und entscheide wie breit der Wirbelsäulenkanal für dein Pferd sein soll. Wie weit reichen die Dornfortsätze deines Pferdes, wie weit kannst du Knochen spüren? Das ideale Maß liegt für die meisten Pferde zwischen 3 und 4 Finger Breite des Wirbelkanals – so weit auseinander sollten die Kissen positioniert werden.
Widerristfreiheit
Wir empfehlen, die Klettkissen vorne am Widerrist etwas weiter nach unten zu kletten, um den Widerrist schön frei zu halten. Hier reichen die Maße meist von 3 Finger breit (bei Pferden mit wenig Widerrist) bis zu einer Hand breit (für Pferde mit höherem Widerrist), die freigelassen werden sollten. Auch wenn der Leichtsattel über kein Kopfeisen verfügt, das in diesem empfindlichen Bereich für schlimmen Druck sorgen könnte, sollte man ihn wenn möglich freihalten um den Komfort des Pferdes zu erhöhen.
Schulterfreiheit
Bevor die Klettkissen am Leichtsattel positioniert werden, solltest du den vorderen Bereich der Kissen leicht vom Pferd weg biegen. So ermöglichst du der Schulter eine freie Bewegung unter dem Sattel. Für ein Pferd, das hervortretende Schulterblätter und viel Schwung im Rücken hat, kann man die Kissen stärker vorformen. Vorne können da schon mal 2-3 cm (am vordersten Ende) vom Pferd weggebogen werden und hinten zB 1-2 cm (am Ende gemessen). Wenn das Pferd eher unscheinbar ist mit geradem Rücken, reicht es die Kissen vorne 1-2 cm vom Pferd wegzubiegen.
Symmetrie
Natürlich sollten die Klettkissen links und rechts in gleichem Abstand geklettet werden. Ein Anhaltspunkt dabei sind die Klettstreifen, aber da jeder Leichtsattel handgefertigt ist, kann es zu Variationen kommen. Hier schadet es nicht, ein Maßband zur Hand zu nehmen und sich, zB mit Kreide, eine Markierung zu schaffen von der Mittelnaht weg.
Überprüfung im Sattel
Nach ein paar Minuten Reiten kannst du selbst überprüfen ob der Widerrist und die Wirbelsäule auch unter Belastung frei von Druck sind. Dazu einfach vorne und hinten in den Wirbelsäulenkanal des Leichtsattels fassen. Solltest du doch extensiven Druck spüren, könnten die Kissen des Leichtsattels mit mehr Einlagen gefüllt werden oder du kannst eine polsterbare Schabracke/ein Korrekturpad verwenden, um dem Leichtsattel mehr Höhe zu verschaffen. Damit kannst du die (noch) fehlende Muskulatur deines Pferdes kompensieren und es jederzeit wieder entfernen, wenn dein Pferd Muskeln aufgebaut hat und diese zusätzliche Hilfe nicht mehr braucht.
Schwerpunkt des Sattels
Hier ist dein Gefühl gefragt! Du solltest mittig im Sattel sitzen und dein Becken mühelos aufrecht halten können. Wenn du das Gefühl hast, leicht nach vorne zu rutschen oder dich auch nur nach vorne zu neigen, ist der Sattel vorne zu tief. Das ist weder für dich noch für dein Pferd ideal. Du kannst es auch daran feststellen, dass du etwas „klemmig“ sitzt. Das merkst du, wenn du z.B. die Steigbügelaufhängung unangenehm spürst. Dann ist dein Schwerpunkt zu weit vorne und du bringst zu viel Druck auf um dich aufrecht zu halten. Oder du verspürst eine Spannung in der Lendenwirbelsäule während/nach dem Reiten, auch das hat meistens mit der Kompensation einer Vorlage oder der Haltung im Hohlkreuz zu tun, weil dein Schwerpunkt nach vorne geneigt ist.
Gerade heutzutage sind viele Pferde hinten leicht überbaut oder konnten sich im vorderen Bereich ihres Trageapparates noch nicht ausreichend entwickeln, sodass diese Bergab-Tendenz häufig auftaucht. Auch das lässt sich mit einer polsterbaren Satteldecke verbessern. Die Erhöhung sollte bis ca. in die Mitte des Leichtsattels reichen und von hinten nach vorne stufenweise (immer wieder ein, zwei Millimeter Polsterung dazu) vorgenommen werden, sodass keine unangenehmen Kanten für das Pferd entstehen. Das verwendete Material sollte stabil genug sein, dass es nicht unter Druck komprimiert wird, z.B. Filz oder Moosgummi eignet sich gut. Sollte nur eine kleine Anpassung nötig sein, kann sie auch direkt in den Sattelkissen vorgenommen werden. Die Kissen haben eine praktische Öffnung, sodass man jederzeit Einlagen hinzufügen oder entfernen kann, bzw. auch nur im vorderen Teil erhöhen kann. Zusätzliche Einlagen in der Höhe von ca. 5-6 mm haben im Sattelkissen Platz und sollten auch dort stufenweise platziert werden. Diese bereichsweise Erhöhung bitte immer auf der dem Pferd abgewandten Seite platzieren, damit kann man ebenfalls unangenehme Kanten vermeiden.
Unsere Vertriebspartnerin und Leichtsattel-Expertin Eliane Schütz erklärt in diesem Video anschaulich die wichtigsten Anpassungsschritte vor dem ersten Ritt:
Stabilität des Sattels
Sollte der Sattel leicht instabil sein oder rutschen, unbedingt den Gurt überprüfen. Ob die Richtung der Gurtstrupfen stimmt, wie Gurt- und Sattellage zueinander stehen, die Bauchform, auch das Material des Gurtes oder der Sattelunterlage kann rutschen begünstigen oder verhindern. Der Leichtsattel hält seine Position meist besser als herkömmliche Sättel, weil er wie eine zweite Haut anliegt und sich z.B. von einer zurückschiebenden Schulter nicht schieben lässt, weil er so weich und flexibel ist. Trotzdem haben Unterlage und Gurt natürlich Einfluss auf die Stabilität. Bei sehr runden Pferden, kann der Leichtsattel manchmal etwas leichter, beispielsweise im Galopp auf einem Zirkel, seitlich etwas verrutschen. Das liegt daran, dass der Leichtsattel nicht hinter der Schulter „festgezurrt“ werden kann, wie ein herkömmlicher Sattel, und uns daher etwas mehr Feedback zu unserem Sitz als Reiter gibt. Im Grunde sollte man ja, egal welcher Sattel, als Reiter balanciert sitzen und nicht einen Steigbügel massiv überbelasten in den Wendungen. Das zeigt uns der Leichtsattel in Kombination mit einem runden Pferd manchmal auf und motiviert dazu an der eigenen Sitzbalance zu arbeiten.
Ideales Zubehör
Die Verwendung von Mono-Steigbügelriemen wird auch auf unserer Produktseite ausdrücklich empfohlen, da manche doppelten Steigbügelriemen durch das sehr anschmiegsame Sitzgefühl unter dem Oberschenkel etwas unbequem sein können. Für alle, die lange Stunden im Sattel verbringen oder etwas zusätzlichen Komfort suchen, eignet sich ein Lammfellüberzug (für Englische Sättel) sehr gut als zusätzliche Polsterung.
Lagerung und Transport
Auch hier sollte man bedenken, dass sich die Kissen plastisch verformen können. Der Leichtsattel sollte schonend gelagert werden, stehend oder hängend (ohne zusätzliches Gewicht oben drauf) und nach dem Transport, z.B. im Auto, ist es ratsam einmal zu überprüfen ob noch alles so geformt ist wie vorher.